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Strang um Strang: Lauter Edelsteine, einer schöner als der andere. Foto: LambachMan tut das ja nicht. Den Damen in den Ausschnitt gucken. Sie tun aber alles dafür, dass man es tut. Schminken sich, schmücken sich, lassen eben mal einen Knopf weiter geöffnet. Normalerweise schauen ja nur die Männer – klammheimlich, manchmal direkt, manchmal so unverfroren, dass frau ihnen Einhalt gebieten muss. Ich bin Frau – aber ich schaue den Damen auch gern in den Ausschnitt. Allerdings gilt mein Interesse weniger den Dingen, die Männer üblicherweise so interessieren. Ja, es heißt, sie schauen als erstes in die Augen. Ganz kurz vielleicht, aber dann wandert der Blick nach unten – angeblich nachgewiesenermaßen…
Nein, ich schaue ihnen auf den Hals – sofern eine Kette ihn umschließt. Aus reiner Neugierde. Von Berufs wegen. Schon in meinem Hauptberuf als Journalistin ist Neugierde eine Grundvoraussetzung, ohne sie geht es einfach nicht. Solch eine quasi „Berufskrankheit“ macht natürlich auch vor anderen Dingen nicht halt. So bin ich auch als Kettenstrickerin und Schmuckgestalterin neugierig aus Prinzip.
Und wenn eine so schöne Kette lockt – dieser Tage bei der Dame im der Hofmetzgerei aus verschiedenen Edelsteinen zusammengesetzt – dann frag ich schon mal, ob ich ein bisschen näher treten darf. Ja, manchmal frag ich auch lieber nicht. Meistens schon und meistens darf ich – manche wundern sich mehr, manche weniger. In dem Fall dann ist man ganz schnell im schönsten Gespräch über Steine: welche es sind, wo sie herkommen, und – ach, wir Damen mit Faible für diese kleinen, bunten Dinge lieben es, „steinreich“ zu sein. Ich auch: Ich hab gerade wieder neue bestellt – als faszinierendes Material – und wirklich viel mehr als nur „Füllmaterial“ für die nächsten Ketten. Das einzige Problem ist: je mehr Steine, desto größer die Qual der Wahl.
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Ungewöhnlich gut: Der Labradorit mit flachen Rechtecken als Kette. Foto: Lambach Es gibt Steine, die haben eine ganz besondere Anziehungskraft: Bei den Mineralientagen im Herbst zum Beispiel wurde diese Kraft ganz deutlich: An einem der vielen Stände in der Messehalle, bunt und voller Mineralien, hing er. Einer von vielen, aber der, der sich mir aufdrängte: Der Strang mit den rechteckigen Labradoriten – schillernd in seinem typischen Farbenspiel. Ich ging vorbei, schaute weiter, doch es half alles nichts: Ich musste wieder zurück. Wie magnetisch angezogen von diesem Stein.
Ja, der Labradorit ist mein Lieblingsstein. Es gibt edlere, natürlich (und die sind zweifelsohne sehr schön). Aber der Labradorit ist ein besonderer Stein. Mit ihm hat meine Schmuckstrickerei sich weiter entwickelt - in der Kombination von Silber und Edelsteinen. In einem Heft hatte ich eine Kette mit Steinen gesehen, die einfach faszinierend waren. Auch hier blieb der Gedanke haften, daraus wurde eine Idee, die Beschäftigung mit Steinen. Und das Staunen über die Dinge: Das fing beim Namen an: Labradorit – ein Stein wie ein Hund? Ein Laberstein? Spricht man dann zuviel? Natürlich nicht. Der Name bezieht sich auf den ersten Fundort – vor rund 250 Jahren wurde er erstmals auf der kanadischen Halbinsel Labrador gefunden. Von seinem blau-grau-grünen Schimmern stammt der Ausdruck labradorisieren – der dieses besondere Farbspiel beschreibt, das entsteht, wenn sich die Lichtstrahlen in den Lamellen des Steins brechen.
Also kaufte ich den ersten Strang Edelsteine - nicht ahnend, dass noch viele folgen würden. Die Labradorit-Kette war nicht lange fertig, da ergab sich aus einem Rest gestricktem Silber fast zwangsläufig die Kombination mit Steinen, Perlen, Glaskugeln. Eine Schatzkiste tat sich auf: Damit eröffneten sich tausende Möglichkeiten zur Gestaltung von gestrickten Ketten.
Der Labradorit wurde ein (fast) ständiger Begleiter. An einem Tag am Meer zeigte er mir auch, dass es stimmt, was man von ihm sagt: Dass er sich seiner Umgebung anzupassen vermag. In der Tat war mein Armband nach diesem Tag auf See deutlich schillernder: Das (Büro)-Grau war verflogen, die Seine leuchteten eindeutig mehr blau. Beeindruckend, was Steine können. Sie sollen ja noch viel mehr können – aber das ist ein ganz anderes Thema.



